Das neue, revolutionäre, absolut geniale iPhone 3G .. ähhh … S. Also 3GS.

Okay, es ist so gekommen wie befürchtet angekündigt.

Ich persönlich spekuliere – um es noch mal zusammenzufassen – auf eine ausführliche Snow Leopard Demo, eine (zu ausführliche) iPhone OS 3.0 Demo, auf die Ankündigung einer neuen iPhone Generation wobei ich mir auch “Get iPhone OS 3.0 Today, iPhone 4G early July” oder so vorstellen könnte und irgendwas neues, was immer das sein mag. Eine Guest-Appearance von Steve Jobs halte ich für denkbar aber aus den oben genannten Gründen für unwahrscheinlich.

Die WWDC-Keynote hat so ziemlich genau das gebracht. Snow Leopard wurde ausführlich gezeigt und es hat mich nicht vom Hocker gehauen, scheint aber trotzdem gut zu sein. Fair finde ich den 29$ (beziehungsweise Euro…) Preis. Auf Open CL und Grand Central (obwohl das Logo hässlich ist) bin ich gespannt aber wirklich total revolutionär scheints ja nicht zu sein. Wobei doppelte Geschwindigkeit bei manchen Applikationen schon eine enorme Leistung bei gleicher Hardware ist. Finde ich jedenfalls.

Dann gab es die (wie-viele-Drittentwickler-sollen-noch-ihre-Apps-zeigen?-)viel zu lange iPhone OS 3 Demo. Respektive absolut nichts neues. Schließlich die neue iPhone Generation: Das iPhone 3GS, was mir eher moderate Produktpflege scheint. In diesem Zusammenhang möchte ich sagen, dass ich die Anti-iPhone-Fraktion durchaus verstehen kann, wenn es heißt “Copy & Paste – Wow, das ist mal revolutionär… 3 Megapixel Kamera?! Uaaaahh! Mit Video. Respekt.”. Lieber Scott Forstall, du bist nicht Steve Jobs, du kannst nicht absolut unspektakuläre Dinge so in Szene setzen, dass jeder davon beeindruckt ist. Ich kann durchaus verstehen, dass viele Benutzer des iPhones in Umfragen gesagt haben, dass sie Copy & Paste möchten, aber doch bitte nicht als Major Feature einer neuen Hardware Generation. In solchen Umfragen sagen die Leute ja nicht, welche Innovationen sie erwarten, sondern welche Dinge nötig sind bzw. sie sich wünschen. Die Innovation muss doch gerade das unerwartete, das “wow”-mäßige sein, das aus dem Nichts auftaucht. Und ähhh, das Kopieren und Einfügen von Text (auch wenn das Interface schön ist) ist nicht wirklich innovativ.

iPhone 3GS (Bild: apple.com)

iPhone 3GS (Bild: apple.com)

In diesem Zusammenhang verstehe ich nicht, warum nicht viel mehr Gewicht auf die Dinge gelegt wurde, die zumindest einen gewissen Innovationsfaktor haben: Zum Beispiel Voice Control. Wenn das tatsächlich so gut funktionieren sollte (und ich bin da arg skeptisch) hat Apple mal eben nebenbei die vermutlich beste Sprachsteuerung auf mobilen Geräten auf den Markt geworfen. Interessant ist auch Open GL ES 2.0, das möglicherweise – ganz im Sinne meiner Vermutung in einem vorherigen Artikel – die Kraft hat die PSP als mobile Spielekonsole zu übertrumpfen.
Genauso verstehe ich nicht, wie man den Nutzern “Speed” als ausgezeichnetes Hauptmerkmal verkaufen kann. Ist doch irgendwie klar, dass man erwartet, dass neuere Geräte schneller werden müssen. Auf einer Apple Veranstaltung an der ich einmal teilnehmen durfte wurde explizit gesagt “Nutzer kaufen keine Funktionen, Nutzer kaufen Lösungen.” – Speed steht da wohl nicht zur Debatte.

Was soll ich also sagen. Mir fehlt weiterhin Videotelefonie, trotzdem ist das neue iPhone schlicht “besser” als das alte und damit meiner Meinung nach ein berechtigtes Update. Insbesondere auf die Spieleindustrie bin ich gespannt. und ich kann es kaum erwarten Voice Control auszuprobieren. Dabei kommen wir aber direkt zum nächsten Problem:

T-Mobile. Eben noch schrieb ich von Lösungen, jetzt geht es um das Gegenteil. Nehmen wir mal für einen Moment an, ich bin ein Mensch – okay, das trifft sogar zu – und ich habe Geld – langsam bewegen wir uns in die Fiktion – und ich möchte dieses Geld gerne ausgeben – da es fiktives Geld ist, entspricht das auch erstmal der Wahrheit. Sagen wir also ich fahre zur Bank und hebe – sagen wir mal 600 Euro von meinem Konto ab. Ich gehe also in den T-Punkt (wie üblich in Hemd und Sakko, da sind die Berater gleich viel freundlicher…), weise daraufhin, dass ich heute nicht geschäftlich sondern wegen meines privaten Vertrags gekommen sei und sage frei heraus: “Hier ist Geld. Ich hätte gerne iPhone 3GS.” Ein Funkeln ist den Augen des Verkäufers zu sehen, der schon an seine Provision denkt doch dann sage ich. “Ich habe derzeit einen Complete M 1st Generation Meeene-Fresse Tarif (ohne @home Flat Option).” “Oh”, sagt der Verkäufer dann, “aber Ihr Vertrag läuft nur noch ein paar Monate und Sie möchten Ihn gerne verlängern, nicht?” (Hoffnung keimt in ihm auf.) “Nein, er läuft noch etwa 14 Monate, das sollte ja aber kein Problem sein, oder?” Ich zücke meine mit Scheinen überquellende Brieftasche. Aber beim Wort Problem habe ich exakt und genau den Kern der Sache getroffen, denn die schlichte Antwort des Mitarbeiters ist: “Das geht nicht. Auf wiedersehen.”

“Hä? Hier, ich habe Geld … ihr könnt es haben …” … rufe ich noch verwirrt, während der Sicherheitsdienst mich – mit einem Bündel Scheine wedelnd – aus dem Laden schiebt. Tja zurück in der Realität. Was ich mit dieser kleinen Geschichte zum Ausdruck bringen möchte: T-Mobile hat es offenbar nicht nötig Geld von Kunden zu bekommen. Gut, 600 Euro hätte ich nicht ausgegeben aber selbst wenn – die Geschichte würde sich so (oder so ähnlich) ereignen, denn für Bestandskunden mit Restvertragslaufzeiten zwischen 24 und 12 Monaten ist kein Upgrade auf das neue Gerät möglich. Egal wie viel Geld man den Damen und Herren anbieten möchte. Natürlich, für den hypothetischen, verschwenderischen, Geld-spielt-keine-Rolle Nicolas aus dieser Geschichte bleibt die Option einfach einen neuen Vertrag abzuschließen und das neue iPhone so für etwa 24 * 24,95 + 129,95 Euro zu erstehen. Lumpige 728,75 Euro (mit T-Mobile Simlock, wohlgemerkt!). Zugegeben, gar nicht so viel mehr als 600 aber es kann ja wohl nicht sein, dass einem letztlich nur diese Option bleibt. Geschäftstechnisch: Failed.

Übrigens, wer das Glück hat nur noch 12 Monate Restlaufzeit zu haben, kann das alte Gerät für schlappe 300 Euro ablösen und ein neues zu subventionierten Preisen (z.B. rund 89 Euro) kaufen. Macht also 389 Euro. Gut, das alte kann man ja noch verkaufen also gar keine so schlechte Option – dennoch bleibt festzuhalten: Das Wort “Kundenbindung” durch “Service” scheint T-Mobile nicht geläufig zu sein. Ganz in diesem Sinne ist eine Bestellung der neuen Geräte selbst für qualifizierte Bestandskunden erst ab dem Releasetag, dem 19. Juni, möglich. Hauptsache man hat genug Geräte für die Neukunden, die dann spätestens im nächsten Jahr die gleichen Hasstiraden, wie ich jetzt in ihren Blogs und Twitter Messages veröffentlichen werden. Tja, T-Mobile – willkommen im 21sten Jahrhundert.

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