Am 8. Juni werden wieder tausende Apple-Fans (und ich schließe mich selbst da nicht aus) im Sekundentakt auf den Refresh-Button ihres Browsers hauen, um diverse Live-Blogs zur Keynote zur Eröffnung der WWDC stets aktuell zu halten und kein Detail zu verpassen.
WWDC 2009
Jährlich veranstaltet Apple die World Wide Developer Conference, die eigentlich eine Konferenz (wie der Name schon sagt) für professionelle Entwickler auf der bzw. mit dem iPhone nun den Apple Plattformen ist. Die Keynote zur Eröffnung wurde dabei bisher meist von unserem Götzen Lieblings-CEO Steve Jobs gehalten, der aber ja derzeit eine gesundheitliche Pause bis Ende Juni macht. Schade ist das aus 2 Gründen, denn erstens liefert Mr. Jobs unabhängig davon, ob man nun “voll der Apple-Fanatiker” ist oder nicht, großartige Vorträge mit beeindruckender Rhetorik und einem durchdachten Konzept. Zweitens ist Mr. Jobs ja nicht nur der Chef von Apple sondern irgendwie eine Ikone geworden, die für das gesamte Unternehmen steht. Insbesondere an den Verläufen der Aktienkurse sobald wieder etwas über eine vermeintliche Krankheit Jobs’ bekannt wird oder gar von dessen Retirement spricht, erkennt man, wie wichtig diese Person für das Unternehmen ist. Natürlich ist es völlig irrational zu glauben, Apple könnte keine guten Produkte mehr bieten, wenn Steve Jobs eines fernen Tages nicht mehr an der Spitze des Unternehmens steht.
Statt seiner wird die Keynote wohl von Phil Schiller VP of Schwafeling Marketing gehalten, unterstützt von einigen anderen Kollegen. Trotzdem lastet natürlich ein gewisser Druck auf Apple, denn anders als auf anderen Konferenzen, wo in der Begrüßungskeynote gesagt wird “Um 12 is Mittach, Kaffe (ich hasse es, wenn das jemand so ausspricht) um Viere, viel Spass!”, erwarten nicht nur die anwesenden Entwickler sondern auch die restliche Apple-Welt einen stetigen Fluss von Innovationen.
Was steht also an. Zwei Dinge, über die man wohl definitiv sprechen wird, sind Snow Leopard, das nächste Betriebssystem und iPhone OS 3.0. Dabei gibt es allerdings jeweils ein Problem. Snow Leopard ist ein “Under the hood”-Release und soll weniger Features bringen als mehr neue APIs, mehr Geschwindigkeit und Performance, usw.. Sicher wird es dazu eine Demo geben, wobei ich persönlich mir am meisten von der Open CL Implementierung verspreche, also der Einbeziehung der Grafikhardware in die normalen Berechnungen. Natürlich wird es noch ein paar andere nette Dinge zu beschauen geben, aber wunderartiges erwarte ich für die neue Version eigentlich nicht. Aber vielleicht werden wir ja überrascht.
Snow Leopard
Das zweite Problem hat mit iPhone OS 3.0. zu tun Dieses wurde nämlich schon vergleichsweise ausführlich auf einem Special Event vorgestellt. Zwar nur als Beta Version aber trotzdem. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird hiervon auch noch mal eine Menge gezeigt, aber wirklich neu wird dabei nicht viel sein. Ich hoffe zumindest, dass uns endlose App-Vorstellungen von Drittentwicklern erspart bleiben – und mit Copy und Paste, Tethering und MMS kann uns ja nun niemand mehr vom Hocker reißen.
Wie sieht es also mit großer Innovation aus? Was sich geradezu aufdrängt ist natürlich die nächste iPhone Generation. Allerdings wird es auch hier schwierig das große, neue in den Vordergrund zu stellen. Das wesentliche am iPhone ist ja gerade seine Software und die hat man mit OS 3.0 ja nun schon abgegrast. Abgesehen davon sind die großen Schritte, die noch nötig waren, UMTS und GPS, ja schon ins iPhone 3G geflossen. Ein iPhone 4G, wobei noch das Problem der Namensgebung bleibt, denn 4G wird es wohl eher nicht heißen, kann nun nur noch – zumindest seh ich sonst keine – kleinere Hardware-Verbesserungen auffweisen. Gemunkelt wird ja beispielsweise von doppeltem Speicher, mehr RAM, schnellerem Prozessor und besserer Kamera. Das klingt natürlich toll, aber wirklich innovativ ist das nicht. Abgesehen davon bringt es für Entwickler doppelten Aufwand, für zwei Geräte zu entwickeln, die unterschiedliche Hardware-Vorraussetzungen haben.
Denkbar sind natürlich noch OLED-Display, bessere Akkulaufzeit, neues Design – allerdings halte ich das alles zwar für nett aber nicht weltbewegend.
Etwas Innovationspotential sehe ich noch bei Videotelefonie. Mit dem iPhone hat Apple mobilen Datentarifen quasi eine globale Akzeptanz verliehen, die vorher höchstens oder zumindest hauptsächlich im Businessbereich (BlackBerry und Co.) vorhanden war. Nun wäre es Apple zuzutrauen auch Videotelefonie ähnlich zu popularisieren. Dazu wäre es allerdings wiederum notwendig mit den Betreibern entsprechende Tarife zu vereinbaren, damit das Feature auch genutzt wird. Ich fände es auf jeden Fall nett und auf der Keynote wäre so ein mobiles iChat, was ich schon zum letzten Special Event prophezeit gefordert habe, sicher der Renner.
Ansonsten könnte man natürlich noch mit einem Gleichziehen mit dem neuen Zune rechnen, dieser soll ja angeblich als Zune HD selbiges Material abspielen können. Der Sinn einen Film in 1080p oder 720p auf meinem Handy zu haben (zumal der Speicherplatzbedarf ja gleich mal ein Viertel des Gesamtspeichers betragen würde) und diesen dann auf einem 480×320 Display anzugucken, will mir allerdings nicht so recht in den Kopf. Auch das Anschließen an einen Fernseher ist eher etwas, was ich mit einem Laptop machen würde, nicht mit einem Handy – vor allem wegen des Speicherplatzbedarf und der dann sicher schwindenden Akku-Laufzeit.
Was bleibt also noch? Neue Hardware. Wirklich nötig ist hier allerdings nicht wirklich etwas, da alle Macs eigentlich auf einem gesunden Stand sind und ich mir nicht vorstellen kann, dass ein neuer Prozessor im MacBook Pro jetzt so grandios ist, dass man ihn extra noch mal vorstellen würde. Bleibt natürlich noch der Überraschungseffekt. Denkbar wäre hier etwas in der NetBook Kategorie (”MacBook Mini” ) oder ein Gerät auf iPhone OS Basis mit größerem Bildschirm. Mit Referenz zu Star Trek also ein PADD. Beides würde sicher für einige Aufregung sorgen aber so richtig wahrscheinlich ist eigentlich nichts von beidem.
Steve Jobs (Bildquelle: mylerdude, Wikipedia)
Was den richtigen Effekt hätte, wäre aber das berüchtigte “One More Thing”, in der Vergangenheit häufig von Steve Jobs verwendet, um eine gewichtige Ankündigung zum Schluss zu machen, die eigentlich niemand mehr erwartet hätte. Einen ordentlich Sprung würden die Aktien sicher machen, wenn Schiller mit erwartungsvoller Miene am Ende seiner Keynote sagen würde “… but there is one more thing …”, er von der Bühne gehen und ein (hoffentlich gesund und nicht zu mager aussehender) Steve Jobs die Bühne betreten und dann noch irgendwas vorstellen würde. Beispielsweise das oben genannte Mini-Produkt. Oder zumindest die neue iPhone Generation. Ob Apple das aber will, ist fraglich, denn so würde man wieder den Fokus auf Jobs legen, wobei man ja eigentlich darauf drängt, dass Apple auch ohne ihn noch Apple ist.
Ich persönlich spekuliere – um es noch mal zusammenzufassen – auf eine ausführliche Snow Leopard Demo, eine (zu ausführliche) iPhone OS 3.0 Demo, auf die Ankündigung einer neuen iPhone Generation wobei ich mir auch “Get iPhone OS 3.0 Today, iPhone 4G early July” oder so vorstellen könnte und irgendwas neues, was immer das sein mag. Eine Guest-Appearance von Steve Jobs halte ich für denkbar aber aus den oben genannten Gründen für unwahrscheinlich.
Lassen wir uns also überraschen.